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Quereinstieg

Digitaler Berater werden: der Quereinstieg ohne eigene Firma

Beraten statt verkaufen, ortsunabhängig statt Schichtdienst: der Beruf klingt nach Freiheit. Was tatsächlich dahintersteckt, wer dafür geeignet ist und welche zwei Wege es gibt.

Kurz gesagt

Digitale Berater führen Gespräche mit Interessenten eines Anbieters, klären deren Situation und begleiten die Entscheidung, per Video oder Telefon, ortsunabhängig. Es gibt zwei Wege hinein: die eigene Selbstständigkeit mit eigener Kundengewinnung oder die Anbindung an ein Unternehmen, das die Interessenten liefert. Der zweite Weg ist deutlich planbarer.

Was die Tätigkeit tatsächlich ist

Der Begriff „digitaler Berater“ wird unscharf verwendet. Gemeint ist meist eine Tätigkeit im Vertriebs- und Beratungsumfeld: Du sprichst mit Menschen, die sich für ein Angebot interessiert haben, klärst ihre Ausgangslage, ordnest ein, ob das Angebot passt, und begleitest sie zu einer Entscheidung.

Das ist ehrlicherweise Beratung und Verkauf. Hast du damit ein Problem, red es dir nicht schön. Der Job besteht daraus, Gespräche zu führen, in denen es am Ende um eine Kaufentscheidung geht. Stört dich das nicht, findest du eine Tätigkeit, die ohne Ausbildung zugänglich ist und ortsunabhängig funktioniert.

Die zwei Wege hinein

Weg 1: eigene Selbstständigkeit

Du baust dir selbst auf, was du brauchst: Positionierung, Sichtbarkeit, Interessentengewinnung, Angebot, Abwicklung. Maximale Freiheit, maximaler Aufwand. Der Engpass ist fast nie das Beratungsgespräch, sondern die Frage, woher überhaupt Gespräche kommen sollen.

Weg 2: Anbindung an ein Unternehmen

Du wirst qualifiziert und anschließend in bestehende Abläufe eines Partners integriert, der die Interessenten bereits hat. Kundengewinnung und Marketing entfallen. Dafür arbeitest du im System eines anderen, mit dessen Angebot, dessen Vorgaben und dessen Vergütungsmodell.

Der entscheidende Unterschied

Die meisten Aussteiger aus klassischen Berufen scheitern nicht am Beratungsteil, sondern an der Kundengewinnung. Wer diesen Teil auslagert, erhöht seine Chance erheblich und gibt dafür Unabhängigkeit ab. Diese Abwägung ist die eigentliche Entscheidung.

Passt das zu dir?

Aus den Gesprächen, die wir geführt haben, lassen sich drei Muster ableiten. Geeignet sind Menschen, die

  • beruflich schon viel mit Menschen zu tun hatten: Pflege, Handel, Verwaltung, Versicherung sind auffällig häufige Vorberufe,
  • zuhören können, ohne sofort zu argumentieren,
  • mit Ablehnung umgehen können, ohne sie persönlich zu nehmen.

Weniger geeignet sind Menschen, die eine Tätigkeit ohne Kontakt suchen, die ein festes Gehalt zwingend brauchen oder die erwarten, dass ein Programm ihre Persönlichkeit verändert. Das tut keines.

Was realistisch verdient wird

Hier wird im Markt am meisten übertrieben. Seriös lässt sich sagen: Der Verdienst hängt am Vergütungsmodell und an der Zahl der geführten Gespräche. Bei Anstellung gibt es ein Gehalt, bei Provisionsmodellen schwankt es, nach oben wie nach unten.

Was du für deine eigene Rechnung brauchst: die Vergütung pro Abschluss, die realistische Abschlussquote und die Zahl der Gespräche pro Woche. Fehlt eine dieser drei Zahlen, lässt sich nichts seriös hochrechnen. Und dann solltest du auch keiner Hochrechnung glauben, die dir jemand vorlegt.

Gegenrechnen: Trag deine realistische Stundenzahl und einen vorsichtigen Stundensatz ein und sieh, was nach Abgaben übrig bleibt, bevor du eine Hochrechnung aus einem Verkaufsgespräch übernimmst.

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Die Fallstricke

  1. Provision ohne Grundlage. Kläre vor Vertragsschluss, ob es eine Anstellungsoption gibt und wie die Vergütung im ersten halben Jahr aussieht.
  2. Einkommenszahlen ohne Zeitangabe. „8.000 Euro in zwei Monaten“ ist ohne Stundenzahl und ohne Angabe, wie viele das nicht erreicht haben, keine Information.
  3. Kostenpflichtige Qualifizierung ohne Zulassungsprüfung. Wenn eine Ausbildung Geld kostet, prüfe die ZFU-Zulassung. warum das wichtig ist.
  4. Der Nebenjob-Irrtum. Beratungsgespräche finden dann statt, wenn Interessenten Zeit haben: abends und am Wochenende. Im Schichtdienst solltest du vorher klären, ob das zusammenpasst.

So fängst du an

  1. Ehrlich klären, ob dir Verkaufsgespräche liegen. Nicht, ob du sie „lernen willst“.
  2. Entscheiden, welcher der beiden Wege zu deiner Risikobereitschaft passt.
  3. Bei begleiteten Programmen prüfen, ob eine ZFU-Zulassung besteht.
  4. Mit Menschen sprechen, die den Weg gegangen sind, nicht nur mit denen, die der Anbieter dir zeigt.

Ein Programm im Selbsttest: Wir haben einen begleiteten Einstieg in die digitale Beratung vollständig durchlaufen und aufgeschrieben, was drin war, was er verlangt und für wen er nicht passt.

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Häufige Fragen

Brauche ich eine Ausbildung oder Zulassung?

Für allgemeine Beratungstätigkeiten nicht. Sobald es um Finanz-, Versicherungs- oder Rechtsberatung geht, greifen dagegen strenge Erlaubnispflichten. Kläre vorab, worüber genau du sprechen sollst.

Geht das neben einem Vollzeitjob?

Ja, mit Einschränkung: Die Gespräche liegen überwiegend abends und am Wochenende. Mit festen Bürozeiten klappt das meist, im Schichtdienst wird es schwieriger.

Was verdient man am Anfang?

In der Einarbeitungsphase in aller Regel wenig. Die ersten Wochen gehen für das Erlernen der Gesprächsabläufe drauf. Verlang eine Zahl für die ersten drei Monate, und zwar schriftlich.

Quellen

  1. Eigene Teilnahme an einem begleiteten Programm sowie Interviews mit Quereinsteigern aus Pflege, Versicherungsbranche, Einzelhandel und Verwaltung.
  2. § 34d, § 34f GewO: Erlaubnispflichten in Versicherungs- und Finanzanlagenvermittlung.

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